So schaffe ich es, meinen Lebensunterhalt als Musikerin zu verdienen

So schaffe ich es, meinen Lebensunterhalt als Musikerin zu verdienen

Kann man denn eigentlich von Musikmachen leben? Was machst du sonst so? Hast du auch einen Beruf erlernt?

Solche und ähnliche Fragen hören wir Musiker immer wieder und sie haben etwas gemeinsam: Sie nerven uns total!

Ja, man kann als Musiker überleben, nein sogar sehr gut von der Kunst leben, wenn man es richtig anstellt! Dazu muss man auch nicht berühmt – oder auf Sponsoren angewiesen sein. Vielmehr kommt es darauf an, sich einen guten Plan zurechtzulegen und mehrere Standbeine aufzubauen.

Ich unterscheide zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Musikern:

Musiker, welche in einer oder mehreren gut laufenden Party-Cover-Band-Formationen spielen

und Musiker, welche sich als Künstler verstehen und nur eigene Songs oder ausgewählte Cover spielen.

Die Musiker ersten Sorte können von einer Coverband leben, sofern diese gut gebucht ist Da rede ich von mindestens zehn Gigs im Monat. Bei Gagen zwischen 250 € und 400 € pro Nase und Gig kommt da genug Geld zum Leben zusammen.

Ich persönliche gehöre zu den Musikern der zweiten Sorte, bei denen die Kunst vor der Wirtschaftlichkeit steht.

Da ich aber wie alle anderen Menschen etwas zum Essen brauche, Miete, Handy, Versicherungen (ich bin in der Künstlersozialkasse, mehr dazu findest du in meinem Artikel: „Wie versichert man sich als Musiker, KSK und Co.“) usw. zahlen muss, brauche ich noch weitere Standbeine.

Da kommt es mir natürlich zugute, dass ich leidenschaftlich gerne unterrichte. Bereits während meines Musikstudiums habe ich angefangen Gesangsunterricht zu geben und mir meinen Schülerstamm aufzubauen. Werbung habe ich nur einmal ganz am Anfang geschaltet und zwar in Form von 200-Euro-Google-Adwords-Anzeigen. Nach relativ kurzer Anlaufszeit war ich ausgebucht und bin es nun seit über zwölf Jahren.

Meist läuft die Werbung heute über Mund-zu-Mund-Propaganda.

Nachdem ich niemanden gerne abweise, der etwas von mir lernen möchte, habe ich vor etwa drei Jahren angefangen, mir ernsthaft Gedanken über einen Online-Gesangskurs zu machen.

Die Umsetzung hat etwas gedauert, ich musste einige Abzweigungen nehmen und viel Lehrgeld bezahlen. Zwischenzeitlich ist der Kurs jedoch erfolgreich gestartet und ich habe derzeit fast 3000 Online-Gesangschüler.

Wie du siehst, mache ich selbst und ständig eine ganze Menge, um meinen Laden am Laufen zu halten.

Also fassen wir mal zusammen, mein monatliches Einkommen verdiene ich durch folgende Standbeine:

  • Unterrichtstätigkeit in Gesang und Songwriting
  • Workshops, Retreats und Fortbildungen
  • Einnahmen aus meinen Onlinekursen
  • Auftrittsgagen
  • CD-Verkäufe
  • Studioaufträge

Das klingt jetzt auf den ersten Blick recht easy, aber so einfach ist es leider nicht.

Was ich wirklich die ganze Woche mache, möchte ich dir gerne verraten.

Mein Unterricht ist natürlich an feste Zeiten und Termine mit meinen Schülern geknüpft und gibt meinem Alltag einen Rahmen. Genauso die Auftritte, die meist am Wochenende stattfinden.

Aber um überhaupt Auftritte zu erhalten, habe ich natürlich die Akquise zu erledigen. Es gibt Anfragen, die von alleine kommen, aber nachdem ich mir ja aussuchen möchte, wo ich spiele, bewerbe ich mich auch für verschiedene Veranstaltungen oder Festivals. Da gilt es natürlich erst einmal herausfinden, wer die entsprechenden Ansprechpartner sind und diese dann zu kontaktieren.

Dazu wiederum brauche ich Infomaterial und natürlich auch eine CD. Wobei man heute mehr oder weniger davon abkommt CDs zu verschicken. Heute schickt man einem Veranstalter eher einen Link zu einem Auftrittsvideo. Dieses muss man natürlich auch erst mal haben!

Zusätzlich arbeite ich mit verschiedenen Konzertagenturen, die immer wieder passende Gigs für mich akquirieren.

Je nachdem, ob ich alleine spiele oder mit Band, muss ich die Gage und Rahmenbedingungen für und auch mit meinen Musikern verhandeln. Jetzt kann ich nicht einfach fröhlich drauf los spielen und die Gagen einsammeln, sondern muss den Spaß auch versteuern.

Meistens gründen Musiker zusammen mit ihren Bandkollegen eine GbR (Gesellschaft des bürgerlichen Rechts), um die Gagen ordnungsgemäß beim Finanzamt zu versteuern. Der Vorteil dabei ist, dass bis zu einer gewissen Höhe der Einnahmen die Gagen steuerfrei sind.

So eine GbR gehört natürlich verwaltet – mit jährlicher Steuererklärung usw. Ich habe aber nicht nur eine GbR zu verwalten, sondern auch meine Quartalsabrechnungen von meinen Unterrichtseinnahmen. Also führe ich wie ein kleines Unternehmen eine richtige Buchhaltung.

Meine Online-Gesangskurse vermarkten sich auch nicht von selbst, so bin ich stetig dabei, über geeignete Marketingmaßnahmen nachzudenken, diese zu planen und umzusetzen. Recherchieren, Newsletter schreiben, Facebook, usw… gehören natürlich auch dazu.

Um CDs verkaufen zu können, muss man ja auch erst mal eine CD produzieren.

Dies setzt voraus, dass ich erst mal die passenden Songs geschrieben habe…

Nachdem noch kein Meister vom Himmel gefallen ist ,muss ich natürlich auch üben! Von nix kommt nix und ich muss an meinen Instrumenten arbeiten, um stetig besser zu werden.

Neue Songs schreiben, auch wenn ich vielleicht mal an einem Tag nicht so kreativ bin, sowie regelmäßige Gitarrenübugen gehören zum Pflichtprogramm.

Wie du siehst bin ich rund um die Uhr, oft sieben Tage die Woche beschäftigt. Aber ich liebe meine Arbeit, weil ich sie nicht wirklich als Arbeit sehe. Mir persönlich ist es egal, ob gerade Sonntag oder Montag ist.

Natürlich gibt es einige Dinge, die ich weniger gerne tue, wie zum Beispiel Klinken putzen bei Veranstaltern, Labels und Radiostationen, aber das gehört nun mal dazu. Außerdem kenne ich keinen Künstler, der gerne Klinken putzt.

Was ich aber so sehr an meinem Leben schätze, ist die Freiheit, die ich genieße. Klar, ich arbeite machmal über längere Phasen wirklich extrem viel, aber ich nehme mir dafür dann wieder Auszeiten! Ich kann einfach mal einplanen für einen Monat ins Ausland zu gehen, um an einem neuen Projekt zu arbeiten. In einem regulären Job könnte ich das niemals so durchziehen.

Ich bin davon überzeugt, dass jeder mit einer Portion Talent, Durchsetzungsvermögen, Selbstdisziplin und einem gewissen Geschäftssinn das Zeug zum Musikerleben hat. Man darf nur nicht gleich aufgeben, wenn es mal nicht so läuft wie gedacht oder erhofft.

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