Routinen und Kreativität in Zeiten der Ausgangsbeschränkung

Routinen und Kreativität in Zeiten der Ausgangsbeschränkung

Die aktuelle Corona-Krise und die damit verbundenen Umstände sind wohl für alle Menschen gleichermaßen ein tiefer Einschnitt in den Alltag. 

Wir sind alle durch die gleichen Umstände verbunden, jedoch trifft die Situation jeden auf seine ganz persönliche Weise. 

Da ich schon seit vielen Jahren freiberuflich als Musikerin und Coach arbeite und auch viel Zeit im Homeoffice verbringe, dachte ich, dass meine gefestigten Arbeitsabläufe sich nicht maßgeblich ändern werden.

Nach über zwei Wochen muss ich allerdings feststellen, dass mein Alltag und meine Arbeitsweise komplett auf den Kopf gestellt wurden. Bewährte Strukturen wurden aufgebrochen und neue Gewohnheiten haben sich etabliert. 

Die komplette Familie sitzt 24/7 eng beisammen und irgendwie muss jeder Tag neu geplant werden, damit alle die nötigen Aufgaben erledigen können. Am Ende soll auch noch etwas Zeit für jeden einzelnen bleiben, um sich einfach mal zurückzuziehen.  

Anfangs hab ich noch versucht, für Normalität im Chaos zu sorgen, aber irgendwann habe ich einfach losgelassen und festgestellt, dass ich mich einem neuen Rhythmus fügen muss.

Der Alltag gibt einen neuen Takt vor, und es fällt mir viel leichter im flow zu bleiben, wenn ich mich nicht dagegen wehre. 

Jedoch habe ich festgestellt, dass mir dies viel leichter gelingt, wenn ich eine feste Morgen- und Abendroutine in meinen Alltag einbaue. Bevor das Chaos von neuem beginnt und jeder am Ende kleine Zeitfenster nutzen muss, um seine Aufgaben zu erledigen.

Kreativität ist jedoch eine launische Sache, die sich nicht beliebig abrufen lässt und schon gar nicht in einen vorgegebenen Zeitrahmen passt. Wie schafft man es als Kreativschaffender dann trotzdem, zumindest etwas täglichen Output zu generieren und damit ein Gefühl der Zufriedenheit zu empfinden?

Meiner Erfahrung nach geht es derzeit genau um dieses Gefühl von Zufriedenheit. Wenn man permanent das Gefühl hat, den Umständen ausgeliefert zu sein und dadruch zwar den ganzen Tag dahin arbeitet, aber gefühlt nichts schafft, drückt dies auf die Stimmung und führt am Ende zu Frust und Unzufriedenheit. 

Jetzt komme ich wieder auf die Bedeutung von Routinen zu sprechen, die mir derzeit wirklich total helfen.

Ich bin ganz klar ein Morgenmensch. Schon komisch, denn die meisten Musiker sind eher von der Sorte der Nachteulen.

Wahrscheinlich weißt du selbst ganz genau, ob du eher ein Morgen- oder Abendmensch bist und genau diese Erkenntnis ist gerade jetzt wichtig, denn du kannst sie dir zunutzemachen.

Wenn du eher eine Nachteule bist, dann kannst du deine Routine auf die Abendstunden legen. 

Mein Arbeitsschwerpunkt liegt in den Morgenstunden. Nach einer Einheit Yoga, Meditation und der ersten Tasse Kaffee starte ich durch – so lange, bis die Familie wach ist. 

Damit ich genau weiß, was ich schaffen möchte, setzte ich mir jeden Abend einen Impuls für den nächsten Morgen. Dies kann zum Beispiel das Erlernen eines neuen Gitarrensolos sein, oder eine neue Gesangsübung ausprobieren. 

In dieser wertvollen Zeit, die mir am Morgen bleibt, versuche ich dann, mich genau dieser einen Sache voll und ganz zu widmen.

Ich lasse dabei auch strickt mein Handy aus, um nicht in Versuchung zu kommen Mails oder social media Kanäle zu checken. Jegliche Ablenkung versuche ich zu vermeiden, um mich wirklich konzentrieren zu können.

Wichtig ist, dass diese Sache planbar ist. Wie schon erwähnt ist Kreativität nicht planbar und viele Künstler brauchen die richtige Stimmung und den richtigen Ort bzw. das richtige Mindset um kreativ arbeiten zu können.

Also widme ich mich Dingen, die planbar sind und mir am Ende zu hundert Prozent das Gefühl geben, etwas geschafft zu haben. Dies sind für mich vor allem Übungseinheiten auf meinen Instrumenten oder einfache Schreibübungen. Immer unter dem Motto „alles kann, nichts muss“. 

Im Anschluss an meine Morgenroutine verläuft der Tag dann sowieso wieder in seinem neuen chaotischen Rhythmus. Aber ich bin damit einverstanden, denn ich habe bereits etwas für mich geschafft.

Dieses Gefühl der Zufriedenheit ist wertvoll und hält den ganzen Tag über an. Ich möchte sogar behaupten, dass es darüber entscheidet, wie der restliche Tag für mich verläuft. 

Nicht im Äußeren, sondern im Inneren. 

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